Durch den Debating Club der NRW School of Governance initiiert, fand am Mittwoch, den 17. Juni 2009, die erste Debatte zwischen Armin Laschet (NRW-Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration) und Dr. Thomas Leif (SWR-Chefreporter) statt. Diese neue Veranstaltungsreihe soll künftig zweimal im Jahr in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung NRW umgesetzt werden.
Es ging um die Frage: „Deutschland in der Demokratiekrise – Entfremdet sich die CDU als Volkspartei von ihren Bürgern?“ Um die Stimmung im Publikum im Vorfeld einzufangen, wurde mit roten (Armin Laschet) und grünen (Dr. Thomas Leif) Stimmzetteln über diese Streitfrage abgestimmt. Das Publikum verneinte in ihrer ersten Abstimmung die These und schloß sich somit zunächst der Meinung Armin Laschets an. Aber gerade in Streitgesprächen entscheiden am Ende die besseren und schlagkräftigeren Argumente und führen oft dazu, dass sich das Meinungsbild des Publikums in die eine oder andere Richtung verschiebt.
In der hitzigen Debatte zwischen dem Politiker und dem Journalisten, die gespickt war mit gezielten Fragen der Moderatoren (Professor Karl-Rudolf Korte und MA-Student Fabian Stütz) und des Publikums, ging es nicht nur um die CDU als Volkspartei, sondern auch um die missliche Lage der deutschen Parteienlandschaft und ihr Legitmationsproblem, sowie um den Einfluss der Medien auf die Politik.
In ihren Abschlussplädoyers machten beide ihre Position deutlich. NRW-Minister Armin Laschet sagte, eine Volkspartei sei eine Volkspartei auch noch mit 35% der Stimmen und gerade die CDU schaffe es durch ihren integrativen Charakter die verschiedenen Lebensprobleme der Menschen durch ihre Politik zu lösen. Für ihn besteht die CDU als Volkspartei somit weiterhin, da sie alle rechten und linken Strömungen in ihre Partei einbezieht. Dr. Thomas Leif fand hingegen deutliche Argumente für die im Vorfeld aufgestellte These. Seiner Meinung nach, müsse die Parteiendemokratie wieder mit Leben gefüllt werden, die Volksparteien müssten ihre Legitimationsbasis wieder stärken, indem sie in einen Diskurs mit der Parteibasis treten und gleichzeitig durch aktive Kommunikation mit der Gesellschaft Beteiligungsimpulse aussenden.
Die Schlussabstimmung des Publikums zeigte, dass auf beiden Seiten Bewegung stattgefunden hatte – Minister Armin Laschet und Dr. Thomas Leif konnten mit ihren Argumenten die Meinung des Publikums eindeutig beeinflussen. Minister Laschet verlor nach der Debatte ein paar Stimmen an Dr. Thomas Leif. Das Endergebnis war jedoch eindeutig: die Mehrheit des Publikums stimmte gegen die These und sah keine Entfremdung der CDU als Volkspartei von ihren Bürgern.
Die erste Debatte zwischen NRW-Minister Armin Laschet und Dr. Thomas Leif war ein absolut gelungener Auftakt und sollte nicht nur zweimal im Jahr, sondern zweimal im Semester stattfinden. Gerade für uns Studierende hat dieses Format einen großen Mehrwert, da deutlich wird, wie wichtig gute Argumente und kommunikative Fähigkeiten sind, um das Publikum zu überzeugen und um Themen und Standpunkte zu besetzen.
Oft denke ich, dass Politiker immer nur in Floskeln sprechen und sich inhaltich gerne aus Angst, die Medien könnten ihnen mal wieder das Wort im Munde umdrehen, zurückhalten. Aber vielleicht bestätigen Ausnahmen ja doch bald die Regel und Politiker erkennen die Notwendigkeit des Diskurses mit der Gesellschaft.